Altes Handwerk | Espartogras

Weitere historisch bedeutsame Gewerke lassen sich zumindest noch auf Mittelaltermärkten wie dem in Teulada oder einem der zahlreichen Kunsthandwerkermärkten der Region entdecken.

Dazu gehört ohne Zweifel die Herstellung von Flechtwerk, Textilien und feinen Objekten aus Espartogras. Das störrische, harte Gras wächst im ganzen südlichen Mittelmeergebiet und wurde traditionell für Körbe, Schuhe, Hüte, Taschen, Seile, (Fischer-) Netze und vieles mehr verwendet. Auch die faszinierend-gruseligen, äußerst kunstvollen Mussona-Karnevalskostüme sind aus Espartogras gefertigt. Kaum ein Bereich des Lebens, in dem Espartogras nicht in irgendeiner Form zum Einsatz kam. Die Regionen rund um Valencia, Murcia und Granada in Andalusien waren Hochburgen: Vom professionellen Anbau über die Verarbeitung bis zur Herstellung von Flechtwaren aus Espartogras.

Seit Jahrtausenden schon wird es eingesetzt. Prähistorische Funde aus der Cueva de los Murciélagos in Albuñol belegen, dass Menschen seit mindestens 7000 Jahren Espartogras nutzen, um daraus nicht nur Textilien und Schuhe herzustellen.

Um das traditionelle Handwerk aufrecht zu erhalten, haben sich alte Flechtmeister und interessierte Laien zusammenschlossen zu den „Amigos del Esparto“. Jährlich wird in Águilas am 7. August der „Día del Esparto“ begangen, an dem Flechtmeister das alte Handwerk vorführen. Die Stadt war mit 30 Fabriken eines der wichtigsten Zentren der Espartogras-Verarbeitung. Allein 12 Fabriken beschäftigten sich ausschließlich mit dem Zerkleinern von Espartogras. Es gab 21 Kocher, um Espartogras mit Meerwasser „zu kochen“, ein wichtiger Arbeitsschritt, der das Spinnen des Grases erst ermöglichte. Seit 2019 hat in Águilas auch das erste Espartogras-Museum eröffnet und bietet einen breitgefächerten Einblick in Herstellung, Handwerk sowie in die damit verbundene Kultur und Tradition.

Der Anbau, die vorbereitenden Arbeiten zur Weiterverarbeitung des Grases, die Herstellung unterschiedlichster Produkte, Transport und Export der Esparto-Halbzeuge und Produkte entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einer erfolgreichen Industrie, in die schließlich sogar die Britten investierten. 1837 wurde in Großbritannien ein Patent zur Herstellung von Papier aus Espartogras angemeldet. In einer Zeit, in der immer mehr Papier benötigt, dieses aber gleichzeitig aus Mangel an Rohstoffen (Lumpen) knapp wurde, stellte die Papierherstellung aus Espartogras eine wichtige Innovation dar. Folglich sicherte man sich den Zugriff auf den begehrten Rohstoff.

Heute besetzt die Espartogras-Verarbeitung nur noch eine Nische, denn Kunststofffasern und Plastikprodukte haben sie weitgehend verdrängt. In Zeiten, in denen Plastik und seine Auswirkungen auf die Natur und den Menschen immer kritischer gesehen werden und beispielsweise die verloren gegangenen Fischer- netze aus Kunststoff in den Meeren zu tödlichen Fallen für Fische und Meeressäuger werden, könnte dem Espartogras vielleicht in Zukunft doch noch mal eine Renaissance bevorstehen.

Zudem können alte Gewerke für Technologie- und Materialscouts eine schier unendliche Inspirationsquelle für innovative Neuentwicklungen sein.


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